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Vor 100 Jahren starb Benedikt XV.: Papst im Dienste des Friedens

Das Pontifikat von Benedikt XV. (Giacomo della Chiesa) ist geprägt von Forderungen nach einem Ende des „sinnlosen Gemetzels“, des Ersten Weltkriegs. Aber auch die Verkündung des neuen Kodex des kanonischen Rechts und die Aufhebung des „non expedit“, das Katholiken nach dem Dekret vom 10. September 1874 die Teilnahme am politischen Leben untersagte, sind in Erinnerung geblieben.



Im Jahr 1854 wird Genua von einer schrecklichen Choleraepidemie erschüttert. In dieser Zeit wurde Giacomo Della Chiesa am 21. November als drittes von vier Kindern geboren. Er stammt aus einer Grafenfamilie, die allerdings nicht sehr wohlhabend ist. Das Neugeborene wird in der Pfarrkirche Nostra Signora delle Vigne getauft.

Ein schneller Aufstieg

Im Alter von fünfzehn Jahren äußerte Giacomo den Wunsch, Priester zu werden. Auf Druck seines Vaters schrieb er sich jedoch zunächst an der juristischen Fakultät ein. Nach seinem Abschluss trat er in das Collegio Capranica in Rom ein und wurde am 21. Dezember 1878 zum Priester geweiht. Anschließend wurde er in die Päpstliche Akademie für kirchliche Adlige aufgenommen, in der junge Männer aus Patrizierfamilien auf den diplomatischen Dienst des Heiligen Stuhls vorbereitet wurden. Im Jahr 1883 ging er als Sekretär des Apostolischen Nuntius, Erzbischof Mariano Rampolla del Tindaro, nach Madrid. Della Chiesa wurde am 22. Dezember 1907 von Pius X. in der Sixtinischen Kapelle zum Bischof geweiht und anschließend zum Erzbischof von Bologna ernannt. Am 25. Mai 1914 wurde er zum Kardinal kreiert. Drei Monate später, am 20. August, starb Papst Pius X. in einem turbulenten Sommer: Am 28. Juli hatte Österreich-Ungarn Serbien den Krieg erklärt, was den Beginn des Ersten Weltkriegs markierte.



Angesichts der Schrecken des Krieges

Im Konklave, das am 31. August 1914 zusammentrat, wurde Kardinal Giacomo Della Chiesa, der erst drei Monate zuvor zum Kardinalspurpur erhoben worden war, zum Papst gewählt und nahm den Namen Benedikt XV. an. Von Beginn seines Pontifikats an brachte er seinen Schmerz über die Tragödie des Krieges zum Ausdruck: In der Apostolischen Ermahnung Ubi primum vom 8. September forderte er „diejenigen, die das Schicksal der Völker lenken, auf, im Interesse der menschlichen Gesellschaft alle ihre Streitigkeiten beiseite zu legen“. Als „wir unseren Blick auf die gesamte uns anvertraute Herde des Herrn richteten“, so der Nachfolger Petri weiter, „erfüllte das schreckliche Schauspiel dieses Krieges unsere Seele sofort mit Entsetzen und Bitterkeit, als wir sahen, dass ein so großer Teil Europas, der von Eisen und Feuer verwüstet wurde, mit dem Blut der Christen getränkt war“. Das Drama des Krieges wird auch in seiner ersten Enzyklika, Ad beatissimi apostolorum, angesprochen. „Jeden Tag“, stellt der Pontifex fest, „rötet sich die Erde von neuem Blut und bedeckt sich mit Toten und Verwundeten“.

Orskirchen hatten Krieg als gottgewollt präsentiert

Doch jede Kriegspartei meinte, sie müsse politisch oder militärisch zu viele Zugeständnisse machen. Und die Kirchen vor Ort? Die hatten in allen Ländern den Krieg als gottgewollt gerechtfertigt. Und da nannte der Papst ihn ein „unnützes Blutvergießen“. Millionenfacher Tod der jeweiligen „Helden des Vaterlandes“ sollte sinnlos gewesen sein? Immerhin wurde eine päpstliche Anregung, die einer Art internationaler Schiedsstelle, aufgegriffen. Den 1920 gegründeten Völkerbund begrüßte das Kirchenoberhaupt. Auch innerkirchlich sorgte der Adlige auf dem Stuhl Petri für Entspannung und Öffnung. Er förderte in den außereuropäischen Missionsgebieten die Ausbildung einheimischer Priester und Ordensleute und an der Kurie eine eigene Behörde für die mit dem Papst unierten Ostkirchen. Als Joseph Ratzinger 2005 zum Papst gewählt wurde, wählte er den Namen Benedikt XVI. auch in Würdigung seines Vorgängers, der sich mit seiner friedensfreundlichen Haltung von den meisten anderen Monarchen und Staatsführern seiner Zeit deutlich unterschied. Am 22. Januar 1922 starb Benedikt XV. 67-jährig an einer Lungenentzündung.



(vatican news/kna)


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