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Flavio Bundi: «Das neue Lied der Schweizergarde darf ruhig pompös und feierlich klingen»


Flavio Bundi (35) ist RTR-Chefredaktor. Ausserdem ist er Dirigent und Komponist. Diese Talente kommen am Wochenende zum Einsatz, wenn er an der Orgel das neue Lied der Schweizergarde uraufführt.

https://drive.google.com/uc?export=view&id=1kpSyf_V1yrppQvb2Tf2tUOuRLFl20CXv
Flavio Bundi, Chefredaktor bei «Radiotelevisiun Svizra Rumantscha»

Warum braucht die Schweizergarde ein eigenes Lied?

Flavio Bundi*: Wir Ex-Gardisten treffen uns immer wieder zu verschiedenen Anlässen. Da wird auch gerne gesungen – denn Singen verbindet ja bekanntlich. Doch bis jetzt gab es kein Lied, das uns mit den Gardepatronen verbindet. Das wollte das Organisationskomitee des Jubiläums ändern – und hat mich angefragt. Ich habe sofort zugesagt.


Der Heilige Stuhl hat auch eine Nationalhymne. Im Internet findet sich auch ein Text dazu. Wäre das nicht ein gutes Gardelied?

Bundi: Ich durfte die Nationalhymne des Heiligen Stuhls in meiner Zeit als Gardist anlässlich von Staatsbesuchen immer wieder spielen. Aber so wichtig der Heilige Stuhl auch ist: Er ist eben nicht identisch mit der Schweizergarde. Insofern macht es durchaus Sinn, dass die Schweizergarde ein eigenes Lied hat.

«Der Rhythmus sollte nicht zu kompliziert sein.»

Worauf kam es Ihnen bei der Komposition an?

Bundi: Es sollte eine Art Hymnus werden, der vor allem in Gottesdiensten gesungen werden kann. Damit alle mitsingen können, muss die Melodie jeweils eingängig sein – und der Rhythmus sollte auch nicht zu kompliziert sein. 


Flavio Bundi diente nach seiner Matura vier Jahre in der Schweizergarde.

Was war für Sie schwieriger: die Noten zu komponieren oder den Text zu schreiben?

Bundi: Der Text war herausfordernder zu schreiben, denn er sollte den Patronen und der Garde Rechnung tragen. Die Musik ging leichter von der Hand. Hier fühle ich mich zuhause.


«Klar kamen auch Erinnerungen an meine Zeit in Rom auf.»

Wie sind Sie bei der Komposition vorgegangen? Haben Sie sich daran erinnert, wie Sie als Gardist strammstanden?

Bundi: Ich höre beim Komponieren auf den Text, auf die einzelnen Wörter. Sie geben den Klang meistens bereits vor. Die Strophen sind in Moll gehalten. Dann wechselt das Lied in Dur, um unser Motto «acriter et fideliter», «tapfer und treu», mit Kraft und Pathos zu unterstreichen. Das soll ruhig pompös und feierlich klingen. Und klar kamen auch Erinnerungen an meine Zeit in Rom auf.


Flavio Bundi bei seiner Vereidigung.

Ihr Lied greift die drei Patrone der Schweizergarde auf: den Nationalpatron Bruder Klaus sowie den Heiligen Martin und den Heiligen Sebastian. Der Heilige Sebastian steht bei Ihnen für Wahrheit und Kraft.

Bundi: Sebastian war ein römischer Soldat. Er erinnert mich an die Gardisten. Wir müssen ja stundenlang strammstehen und dabei Ruhe und Sicherheit ausstrahlen – und gleichzeitig Demut und Bescheidenheit. Hierzu braucht es manchmal auch etwas Kraft (lacht).


«In Disentis wurde der Heilige Martin speziell gefeiert.»

Es gibt eine Strophe auf Romanisch, Ihrer Muttersprache.

Bundi: Die Strophe ist in Sursilvan verfasst. Sie greift den Heiligen Martin auf. Eigentlich ganz unbewusst, vielleicht aber weil ich in Disentis auf die Klosterschule ging und dort der Heilige Martin speziell gefeiert wurde.


Wann spielen Sie das Lied dem Papst vor?

Bundi: Das ist nicht meine Ambition (lacht). Natürlich wäre es schön, wenn das Lied auch in Rom gesungen würde. Aber in erster Linie durfte ich es für den Festakt in Appenzell komponieren.


«Zuverlässigkeit, Kameradschaft und Gelassenheit sind Werte, die einen sehr prägen.»

Was bedeutet es Ihnen, Ex-Gardist zu sein?

Bundi: Einmal Gardist, immer Gardist – heisst es so schön. Meine Zeit in Rom war ein sehr prägender Teil meines Lebens. Die Schweizergarde ist eine Lebensschule. Zuverlässigkeit, Kameradschaft und Gelassenheit sind Werte, die einen sehr prägen.


Warum Gelassenheit?

Bundi: Wenn Sie hautnah mitbekommen, was etwa der Papst jeden Tag für ein Programm bewältigt, wie viele Menschen aus aller Welt er jeden Tag trifft und wie schnell er auf Krisen rund um den Globus reagieren muss, werden Sie schnell demütig. Der Blick hinter die Kulissen relativiert Vieles. Führen hat mit Menschenkenntnis zu tun und der Bereitschaft, dienen zu können und sich selbst nicht in den Mittelpunkt zu stellen. Auch das habe ich in Rom gelernt. 

Komponieren Sie öfter?

Bundi: Ja, immer wieder. Doch manchmal tut es auch ganz gut, wenn es eine Auftragsarbeit mit einer Deadline gibt. Dann muss ich ran (lacht).


* Flavio Bundi (35) ist Chefredaktor des romanischen Senders RTR. Nach seiner Matura an der Klosterschule in Disentis war er vier Jahre als Gardist in Rom tätig.


Siehe Bericht zum Lied via LINK.

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